Ablauf eines Übungsabends


 Im Zentrum dieser Form steht die Übung von Zazen (Sitzmeditation).

 Wir sitzen 2x 25 Minuten Zazen in Stille.

Diese Sitzzeiten werden durch 5 Minuten Kinhin (Gehmeditation) unterbrochen.

 

Der Übungsabend beginnt mit einer Rezitation und einer Runde Sarei (trinken von Tee in ritualisierter Form) und er endet wieder mit einer Rezitation.

 

Diejenigen, denen es nicht möglich ist, auf einem Kissen zu sitzen, können natürlich jederzeit ein Kniebänkchen oder einen Stuhl benutzen.

Zazen, sitzen in Stille.


Was heißt hier eigentlich Stille? Draußen vor dem Fenster unterhalten sich Leute, Autos fahren vorbei, Kinder spielen, Hunde bellen.

Und dann erst das Gedankenchaos im eigenen Kopf. Was hat das noch mit Stille zu tun?

Da ist doch Lärm und Unruhe ohne Ende.

Soll ich das etwa verdrängen, nicht wahrhaben wollen? Das kann doch auch nicht richtig sein.

 

So oder so ähnlich könnten Gedanken aussehen, die ihnen durch den Kopf gehen, wenn sie sich zum ersten mal mit dem Begriff Zazen auseinander setzen.

 

Und natürlich soll beim Zazen nichts verdrängt werden. Wir setzen uns auf ein Kissen (es geht auch Stuhl oder Bänkchen), verschränken die Beine und legen die Hände ca. eine Handbreit unterhalb des Nabels an den Bauch. Dabei umfaßt die Faust der rechten Hand den linken Daumen. Der Rücken ist aufgerichtet und das Kinn leicht angezogen, so dass auch die Halswirbelsäule gestreckt ist. Nun haben sie eine recht stabile Haltung, die es ihnen ermöglichen sollte, für 25 Minuten still und unbeweglich zu sitzen.

In dieser Haltung beginnen sie, sich mit ihrem Atem zu beschäftigen.

Dies soll ihnen helfen, sich nicht von ihrem Gedankenchaos und irgendwelchen Nebengeräuschen ablenken zu lassen.
Dazu konzentrieren sie sich auf ihr Hara. Es ist der Punkt, an dem ihre Hände den Bauch berühren. Beim Einatmen atmen sie tief in den Unterbauch, in ihr Hara hinein. Beim Ausatmen atmen sie langsam und vollständig wieder aus. Und sie zählen die Ausatemzüge mit. Atmen sie wirklich vollständig aus. Wenn sie das schaffen, geschieht das wieder einatmen wie von selbst.

Bei jedem Einatmen füllt sich der Unterbauch mit Luft, schwillt an und bei jedem Ausatmen wird er wieder flach. 

Während der ganzen Zeit bleibt ihre Konzentration beim Hara.

Einatmen, tief in den Unterbauch hinein, ausatmen (Eiiiiiiiinnnnnnssssss). Wieder einatmen und ausatmen (Zwwwwweeeeeeiiiiiii)……usw.

Wenn sie bei Zehn angekommenen sind, wieder mit Eins anfangen.

Und jedes mal wenn sie von etwas abgelenkt werden, die Ablenkung kurz registrieren und wieder bei Eins anfangen.

Zu Anfang wirkt dies sehr gekünstelt. Vielleicht haben sie auch irgendwo gelesen, dass sie ihren Atem nicht beeinflussen sollen. Vergessen sie das alles und lassen sich einfach darauf ein.

Mit der Zeit wird diese Art des Atmens für sie vollkommen normal und sie können diese Atmung auch im Alltag aufrecht erhalten.

Dies hilft ihnen, dadurch dass ihr Unterbauch gestärkt und stabilisiert wird, stabil und aufrecht zu sitzen, ohne sich ablenken zu lassen. Und auch im Alltag können sie dadurch  immer wieder in Kontakt mit der ihnen innewohnenden Kraft und Stärke kommen.

Im Laufe der Zeit werden sie so weit kommen, dass sie auch ohne zählen bei der Atmung bleiben können.

Die Gedanken im Kopf werden nicht unbedingt gleich weniger. Und auch die Geräusche bleiben. Aber sie lassen sich nun nicht mehr von ihnen davon tragen. Sie drehen nicht sofort aus allem einen Film und verlieren sich darin.

Und dann kann es geschehen, das einmal gar keine Gedanken auftauchen. Plötzlich herrscht eine nicht gekannte Ruhe und Frieden. 

Das lässt sich nicht machen. Es kann nur geschehen.
Es ist wie beim Beackern des Bodens. Sie können viel dazu beitragen, dass das Korn wächst, aber sie können es nicht wachsen lassen.