Warum Buddhismus, Meditation?

Im Buddhismus heißt es als erste Wahrheit im Pali-Kanon: "Die edle Wahrheit vom Leiden". Das Wort, das hier mit Leiden übersetzt wird, ist das Wort  Dukkha. Die Übersetzung mit "Leiden" ist sehr einseitig. Besser ist "schwer zu ertragen", "unbefriedigend".

Es bedeutet, dass wir immer wieder im Leben mit diesem Gefühl konfrontiert werden.

Es geht nie so ganz glatt. Selbst das schönste Glück ist irgendwann zu Ende. Dies hat,  aus buddhistischer Sicht, einen Grund. Es liegt daran, wie wir uns, auf Grund unserer Wahrnehmungen, erst eine Wirklichkeit konstruieren, ein Selbstbild schaffen und uns dann daran klammern. Zen ist ein Weg, zu üben, hinter das Bühnenbild unserer Vorstellungen zu schauen und die Dinge so zu sehen, wie sie sind.

Im Zen nennt man das Kensho: Selbstwesenschau oder auch Satori. Die Zen-Praxis zeigt direkt auf diesen Punkt. Sie ist dieser Punkt. In dieser Praxis gibt es vielfältige Übungen. Das Erleben dieser Selbstwesenschau ist der eigentliche Beginn des Zen-Weges, eines Weges, der nie zu Ende ist. Seine Grenzen weiten sich, lösen sich auf. Aber die Übung bleibt. Sie findet ihren Ausdruck in einem grenzenlosen, allumfassenden Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen.


Übungen im Rinzai-Zen

 1. Samdhi

Samdhi ist anfänglich ein Zustand völliger Entspanntheit bei gleichzeitiger intensiver Konzentration des Geistes. In diesem Zustand sind unsere dualistischen Anhaftungen stark vermindert. Im Laufe der Übung reift diese Samdhi zu einer Lebenseinstellung, die sich nicht mehr von unserem Alltag trennen lässt. Wir werden zu diesem Samdhi.

Ein tiefes Samdhi ist unerlässlich, um geistige Hindernisse aufzulösen und den Geist für eine Kensho-Erfahrung vorzubereiten.

Das Samdhi, das wir auf dem Kissen üben, muss unablässig in unseren Alltag hineingetragen werden. Es wird so zu einer grundlegenden Haltung, aus der heraus wir leben. Alle Hilfsmittel auf dem Zen-Weg unterstützen auch die Entwicklung von Samdhi.

Aber auch Samdhi selbst ist erst einmal nur ein Hilfsmittel und nicht das Ziel des Zen. Es ist jedoch grundlegend für jede weitere Entwicklung im Zen, so wie der Acker grundlegend wichtig für das Wachstum des Getreides ist. Ohne gut vorbereiteten Boden keine gute Ernte.

Es gibt auch Übende, die ohne tiefes Samdhi zu einer Kensho-Erfahrung kommen. Aber dies reicht nicht. Ohne Samdhi, ohne intensive Übung, die den ganzen Körper, das ganze Leben durchdringt, verblasst diese Erfahrung schnell wieder.

Im tiefen Samdhi werden Geistesruhe und Klarheit des Geistes verwirklicht. Kensho, die Selbstwesensschau, ist Erfüllung dieser Klarheit. Diese Erkenntnis gilt es zu kultivieren und zu stabilisieren. Dies führt zu der Erfahrung, dass es letztendlich keine Hindernisse und nichts zu kultivieren gibt. Wir sind alle schon Buddhas, sind es immer gewesen und werden es immer sein. Es reicht jedoch nicht aus, dies nur zu wissen. Es muss auch erfahren und gelebt werden.

Dies ist der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit!

2. Zazen und Kinhin

Mit Zazen wird die formale Sitzmeditation bezeichnet. Atmung, Körper und Geist verschmelzen beim Zazen im Samdhi zu einer Einheit. Zazen ist eine schnelle und effektive Methode, alle erforderlichen Qualitäten auf dem Buddhaweg zu verwirklichen. Anspannungen werden gelöst und der Übende entwickelt Klarheit, unerschütterliche Konzentration und ein tiefes Samdhi. Diese Dinge sind zwingend notwendige Voraussetzungen um Weisheit zu entwickeln und diese im Leben zu verkörpern.

Das Rinzai-Zen kennt zusätzliche Methoden, wie z.B. das Zählen oder Beobachten des Atems oder die Übung mit Koan, usw. um das Zazen zu unterstützen. Der Lehrer wählt sie gemäß den Bedürfnissen des Übenden aus.

Kinhin ist das Äquivalent zu Zazen. Es ist Zazen in Bewegung. Beim Kinhin wird die gleiche Konzentration beibehalten, wie beim Zazen. Es wird zwischen zwei Sitzrunden ausgeführt und bildet für den Übenden auch eine Brücke zu den Aktivitäten des alltäglichen Lebens. Außerdem ist es eine gute Lockerung für verkrampfte Bein und Rückenmuskulatur nach langen Sitzen.

Samdhi, Zazen und Kinhin gehören untrennbar zusammen und sind die grundlegenden Übungen auf dem Zen-Weg. Erst wenn diese Übungen beherrscht werden kann über weitere Übungen wie z.B. die Übung mit Koan nachgedacht werden.

 

3. Gelübde

Im Rinzai-Zen können Laien die fünf Laiengelübde nehmen und ordinierte Personen können noch zusätzliche Gelübde nehmen. Außerdem nehmen alle Übenden die vier großen Bodhisattvagelübde.

Gelübde sind im Zen keine von einer höheren Wesenheit gegebenen Gebote sondern sie sind eine Richtschnur an der wir unser Leben ausrichten können. Sie beschreiben ein „erleuchtetes“ Verhalten und es ist immer wieder sinnvoll, das eigene Verhalten mit dieser Richtschnur zu messen. Dadurch geben sie dem Übenden Halt und helfen ihm auf dem Weg zu reifen und zu wachsen.

 

4. Koan-Übung

Die Koan-Übung ist eine spezifische Übung des Rinzai-Zen. Koan sind Fragen, die sich meist aus Aussprüchen und Taten historischer Zenmeister entwickelt haben. Es gibt dazu traditionelle Koansammlungen, die von dem Übenden mit seinem Lehrer durchgearbeitet werden. Ohne intensiven persönlichen Kontakt mit einem Lehrer ist eine Koan-Übung nicht möglich.

Ein mögliches Koan wäre z.B. die Frage: „Wer bin Ich?“ Wenn diese Frage im Zazen, im Samdhi mit intensiver Konzentration immer wieder geprüft und gestellt wird, tauchen bald reihenweise Konzepte und Vorstellungen auf, die den Übenden in immer stärkere Zweifel stürzt. Dieser Zweifel wird im Laufe der Übung immer stärker, bis er sich plötzlich auflöst und in einer Erkenntnis, ggf einem Kensho mündet.

Im Dokusan, dem Gespräch mit dem Lehrer unter vier Augen, bietet der Übende dem Lehrer seine Erkenntnis an. Wenn der Lehrer akzeptiert, gibt es das nächste Koan. Dies führt dazu, dass die Erkenntnisse immer weiter vertieft und gefestigt werden. Das ist ein Prozess, der sich über viele Jahre dahin zieht.

Der Lehrer hat hier nicht die Rolle eines Lehrers nach dem bei uns üblichen Verständnis inne. Er lehrt nicht im eigentlichen Sinne. Er hat eher die Rolle eines Bergführers, der den Wanderer auf einer Tour begleitet und zu Anfang hin und wieder bei einigen Klippen behilflich ist. Ansonsten hat er eher die Funktion eines Spiegels, der den Übenden immer wieder auf sich selbst zurückwirft.

 

 

5. Rezitation

Zur Zenpraxis gehört auch das Rezitieren von Sutren, Dharanis und anderen Texten. Auch die Rezitation ist eine besonders wertvolle und kraftvolle Übung, die, in tiefem Samdhi durchgeführt, große Veränderungen in Körper und Geist bewirkt.

 

 

6. Samu

Körperliche Arbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Zen-Übung. Sie bildet, genauso wie das Kinhin, eine Brücke zu unserem Alltag. All das, was wir uns an Weisheit und Einsichten „ersitzen“ muss in unserem Leben Gestalt annehmen.

 

 

7. Sesshin

Sesshin sind längere Zeiten intensiver Meditation und Übung, mal ein Wochenende, mal eine ganze Woche. Sie bieten eine Gelegenheit, abseits vom Alltagsgeschehen intensiv zu üben.

 

 

8. Lesen von Schriften

Auch das Lesen und Studieren von Schriften gehört zum Zen-Training, bilden aber nicht den Schwerpunkt. Hier kann der Übende seine Erfahrungen und Einsichten mit denen der alten Meister abgleichen.

 

 


Zusammenfassung

 

 

All die hier geschilderten Übungen und der ritualisierte Ablauf der einzelnen Meditationsabende greifen wie Zahnräder ineinander, um den Übenden in seiner Entwicklung zu unterstützen. Jede Übung ist auf ihre spezielle Art wichtig und sinnvoll und es ist das Gesamtpaket, das den Weg des Rinzai-Zen so wertvoll macht.